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* Online Scheidung * Schnelle und günstige Scheidung * Kostenlose Scheidung *

Ansprechpartner: Rechtsanwältin Mohr

Das Netz ist voller Werbeanzeigen und immer häufiger hört man davon: die Online-Scheidung.

Die Online-Scheidung soll nicht nur schneller und einfacher, sondern auch noch günstiger oder sogar kostenlos und überhaupt viel praktischer sein als ein normales Scheidungsverfahren…

Bei sovielen vermeintlichen Vorteilen -  Wer würde dann noch ein normales, altmodisches Scheidungsverfahren wählen?

Nessie lässt grüßen

Die Online-Scheidung ist ein Phantom wie das berühmte Ungeheuer von Lech Ness. Auch wenn es viele kennen und manche sogar behaupten, sie hätten es gesehen: Es ist und bleibt ein Mythos.

So, wie Nessie nicht existiert, existiert kein Online-Scheidungsverfahren.

Mythos 1: Die Online-Scheidung ist einfacher!

Es gibt in Deutschland überhaupt keine Online-Scheidung.

Die Scheidung wird durch einen anwaltlichen Schriftsatz, den Scheidungsantrag,  an das jeweils zuständige Familiengericht  eingeleitet. Und dieser wird auch im dritten Jahrtausend nicht online eingereicht, sondern wie in allen anderen Verfahren ganz schnöde auf Papier in dreifacher Ausfertigung; ein Original für das Gericht und zwei Abschriften für die Gegenseite. Eine andere Möglichkeit besteht in Deutschland nicht.

„Aber ein Bekannter von mir hat einen Online-Scheidungsantrag auf der website des Anwalts ausgefüllt?!?“

Nein. Hat er nicht.

Ihr Bekannter hat lediglich einen Anwalt online beauftragt, für ihn einen Scheidungsantrag bei dem zuständigen Familiengericht einzureichen. In diesem Antrag müssen einige Daten und Personalien angegeben werden (Namen der Ehegatten, Datum der Heirat, gemeinsame Kinder, letzter gemeinsamer Wohnsitz und ähnliches). Und diese für einen Scheidungsantrag notwendigen Angaben hat Ihr Bekannter  online in ein Formular auf der Internetseite seines Anwaltes eingetragen. Mehr nicht. Damit ist aber keinesfalls eine Online-Scheidung eingeleitet oder gar beantragt worden.  

Die Scheidung wird wie gesagt durch einen anwaltlichen Schriftsatz beantragt. Die Daten, die Ihr Bekannter in das vermeintliche Scheidungsformular eingetragen hat, werden von dem „Online-Scheidungsanwalt“ aus dem Formular in einem ganz normalen, herkömmlichen  Scheidungsantrag übertragen. Und dieser wird eben nicht online eingereicht, sondern wie in allen anderen Verfahren ganz schnöde auf Papier in dreifacher Ausfertigung; 1 Original für das Gericht und zwei Abschriften für die Gegenseite (s.o.). Ihr Anwalt erspart sich also nur die persönliche Aufnahme Ihrer Daten, weil online-Formular und Kanzleisoftware im Regelfall verbunden sind und die Daten automatisch eingefügt werden. Aber das war es dann auch mit „Online“. Das Scheidungsverfahren läuft eben nicht online.

„Aber ich habe keine Zeit oder Lust, einen Anwalt aufzusuchen. Terminvereinbarung und Parkplatzsuche sind mir zu mühsam. Außerdem ist doch alles klar.“

Sie ersparen sich mit der Online-Beauftragung sicher ein wenig Zeit, weil Sie nicht zu einem persönlichen Gespräch in die Kanzlei Ihres Anwaltes gehen müssen. Mehr aber auch nicht. Auf der anderen Seite verzichten Sie auf eine umfassende Beratung durch einen Fachmann, der im Gegensatz zu Ihnen schon einige hundert Scheidungsverfahren durchgeführt hat und Sie sicherlich auf Umstände oder Probleme aufmerksam machen kann, die Sie selbst vielleicht noch gar nicht bedacht haben und er kann Ihnen auch gleich eine rechtlich fundierte Lösung anbieten. Und das ohne Mehrkosten.

Mythos 2: Die Online-Scheidung geht viel schneller!

Sie können sich sicher schon denken, dass auch an diesem Gerücht nichts dran ist..

Da Sie keine Online-Scheidung durchführen können, sondern nur das ganz normale Scheidungsverfahren, geht es in Ihrem Fall weder schneller noch langsamer als in allen anderen Fällen.

Die Dauer eines Scheidungsverfahrens ist letztlich von vielen Faktoren abhängig. Einerseits kommt es darauf an, wie schnell die jeweiligen Rentenversicherungsträger die Auskünfte für den gesetzlichen Versorgungsausgleich erteilen. Andererseits spielen auch ganz praktische, banale Gründe eine Rolle wie z.B. die Auslastung des für Sie zuständigen Familiengerichts. Und daran ändert eben auch ein Online-Formular rein gar nichts.

Mythos 3: Die Online-Scheidung ist viel günstiger!

Auch das stimmt natürlich nicht.

Da es kein gesondertes Online-Scheidungsverfahren in Deutschland gibt, müssen Sie sich mit dem einzigen Scheidungsverfahren begnügen, dass Ihnen zur Verfügung steht: dem gesetzlichen Scheidungsverfahren, geregelt in der ZPO, dem FamFG und dem FamGKG.

Die Kosten des Scheidungsverfahrens setzen sich zusammen aus den Gerichtskosten und den Rechtsanwaltsgebühren und beide sind gesetzlich normiert.

Beide Entgelte richten sich nach dem sog. Gegenstands- oder Streitwert und der ist gesetzlich festgelegt auf das addierte, dreifache Nettoeinkommen der Ehegatten zzgl. dem Wert des Versorgungsausgleiches; § 43 Abs. 2 FamGKG.

Verdienen Sie beispielsweise 2.000,00 € netto und Ihr Ehepartner 2.500,00 € errechnet sich der Wert des Verfahrens (NICHT die Kosten!) wie folgt:

3 x 2.000 = 6.000,00 € + 3x 2.500,00 € = 7.500,00 € = insgesamt also 13.500,00 €. Zuzüglich des Auffangwertes für den gesetzlichen Ausgleich der Rentenwartschaften i.H.v. 1.000,00 € ist der Wert also 14.500,00 €. Die daraus resultierenden Gerichts- und Anwaltskosten und eine kurze Erläuterung zu der Möglichkeit, Prozesskostenhilfe zu beantragen, finden Sie hier.

30% Rabatt

Gelegentlich liest man in den Werbeanzeigen auch, dass sich der Gegenstandswert und damit auch die Kosten verringern, wenn es sich um eine einverständliche Scheidung handelt. Auch das stimmt leider nicht.

Lesen Sie die entsprechenden Vorschriften selbst nach. Sie werden dort keinen Abschnitt finden, in dem unterschiedliche Gebühren für „streitige Scheidung“ und „nicht streitige Scheidung“ ausgewiesen sind. Gerichts- und Anwaltskosten richten sich in allen Verfahren nach dem Streitwert und nicht nach dem Aufwand.

Streitig oder nicht streitig – der Preis ist derselbe.

Es gibt keinen Rabatt. Weder für die Online-Beauftragung Ihres Anwaltes noch für irgendetwas anderes.

Erst recht gibt es keinen generellen Rabatt von 30%, wie man gelegentlich liest. Es kann sein, dass einzelne Richter an einzelnen Familiengerichten in Deutschland eine Reduzierung des gesetzlich vorgeschriebenen Wertes vornehmen – aber für Sie muss das nicht zutreffen, denn es gibt dafür keine Rechtsgrundlage. In meiner langjährigen Praxis habe ich das jedenfalls bei keinem einzigen Gericht in Schleswig Holstein erlebt.

Fazit:

Es gibt keine Online-Scheidung, nur die Online-Beauftragung eines Anwaltes. Das ist ein wenig hipper und schicker als die althergebrachte Vorgehensweise; zugegeben. Sie ersparen sich eine Terminvereinbarung, müssen aber andererseits viele Daten in ein Formular eingeben. Ob es Ihnen die Zeitersparnis wert ist, in diesem sehr persönlichen Lebensbereich eine anonyme, unpersönliche Betreuung zu wählen, ist natürlich Geschmackssache. Wenn Sie aber -wie ich- Ihre Wurst nur beim Fleischer Ihres Vertrauens kaufen, werden Sie bei einer Scheidung sicherlich auch eine vertrauensvolle Atmosphäre dem anonymen Internet vorziehen.